24 Okt Live: The Mary Wallopers
Sonntag, 6. April 2025, Columbia Theater Berlin
Gross war die Freude, als ich mir im Dezember 2024, in meinem Hotelbett in Liverpool liegend, direkt zum Vorverkaufsstart um 10.00 Uhr zwei Tickets für The Mary Wallopers am 6. April 2025 in Berlin sicherte. Nicht, dass es nötig gewesen wäre, so früh dran zu sein, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Schliesslich war ich schon lange nervös, und das wurde mit der Vorfreude nicht weniger. Bloss kurz vorher nicht krank werden oder so ein Scheiss, dachte ich mir ein halbes Jahr lang.
Aber von Anfang an: Im Visions habe ich irgendwann einen kurzen Artikel über eine Band gelesen, welche am Reeperbahnfestival 2023 gespielt hat und angeblich gekonnt das Erbe der Pogues weiterführt. Naja, wenn das Visions über eine Irish-Folk-Band schreibt, muss da wohl was dran sein, dachte ich mir. Der Pogues-Vergleich ist ja durchaus eine Ansage. Leider vergass ich das Gelesene und die Band schnell wieder. Erst Monate später stiess ich, wieder einmal Spotify sei Dank, auf die Mary Wallopers. Da war doch was? Das schau ich mir jetzt mal an.
Und mit dem ersten Youtube-Video wars um mich geschehen. Jessesgott! Wie geil sind die denn!? Ich war verloren und bin es bis heute. Ich wurde geradezu süchtig nach dieser Band, was meine persönliche Spotify-Jahresbestenliste ohne Zweifel bestätigte.
Das Geschwister-Duo Charles und Andrew Hendy startete zusammen mit ihrem Kumpel Sean McKenna als Trio. Sie erspielten sich während der Lockdowns mit Live-Streams aus der heimischen Garage im walisischen Hendy eine riesige Fanbase. Hauptsächlich spielten sie irische Traditionals. Es geht um Alkohol, Sex, Liebe und Ungerechtigkeiten, welche den Iren angetan wurden oder generell auf der Welt passieren. Nach der Pandemie ging alles ziemlich schnell: Album, Touren, noch ein Album, noch mehr Touren, Australien, USA und Auftritte in diversen Fernsehshows. Ihr politisches Engagement und regelmässige «Free Palestine» Aktionen, dürften jedoch dafür verantwortlich sein, dass die jüngste Nordamerika-Tour gecancelt wurde.
Nun fanden endlich Clubshows auf dem europäischen Festland statt. Frankreich, Niederlande und eben Deutschland. Das Columbia Theater bot mit seinen rund 800 Stehplätzen und dem klassischen 50ties-Theater-Look den perfekten Rahmen. Zu meinem Erstaunen war der Abend nicht ausverkauft. Was auch Vorteile hatte: kurzer Weg an die Bar, kurzer Weg aufs Klo, tip top. Nach dem Besuch am Merch-Stand, wo ich euphorisch sämtlichen Merch gekauft habe (soooo viel gab es nicht…), waren wir ready für den Gig. Zum Aufwärmen ertönten Ramones und Motörhead aus den Boxen, eingebettet in diverse Pogues-Songs, passende Einstimmung.
«It’s good to be back in Berlin, you sexy Cunts» begrüsste uns Charles Hendy, «that’s a Song about the Queen of England’s Daughter.» Der Opener Bold O’Donoghue machte klar, dass an diesem Abend keine Gefangenen gemacht werden! Gitarre, Banjo, Uillean Pipes, Whistle, Bass, Drums – der Sound war grossartig, die Crowd war wild. Ruhigere Momente bei Songs wie Building Up And Tearing England Down, ein Song über irische Arbeiter, die Englands Infrastruktur aufbauten und dabei starben, wurden von den zahlreichen Iren im Publikum frenetisch gefeiert. Ebenso Gates of Heaven, eine Eigenkomposition und Abrechnung mit der irischen Kirche. Meist wurde jedoch ordentlich aufs Gas gedrückt. Stilsicher, laut, roh und direkt. Beim finalen All For Me Grog ergossen sich Glückseligkeit und Bier im gleichen Masse über unsere Köpfe. Was für eine Band! Diesen Abend werde ich und wohl auch alle anderen dort so schnell nicht vergessen.
Zum Schluss gab es noch schnell ein Selfie mit dem Mercher, dem Christmas Tree (wer sich das eineinhalbstündige Christmas Special der Mary Wallopers auf Youtube gönnt, wird den Insider verstehen). Ein Wegbier und dann haben wir uns (be)trunken vor Freude, jaja, nur Freude, und voller Glückseligkeit auf den Heimweg gemacht.
Hört sie euch an, kauft ihre Platten und werdet glücklich!
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